Von Vrael gelenkt hatte ich eh keine Möglichkeit einen Einwand einzuwerfen, folgte einfach seiner Wegweisung unters Deck.
Als er mir dann auch noch die Sachen in die Hand drückte wollte ich, endlich, meinen Einspruch erheben. Dafür hatte ich aber eigentlich keine Zeit. Die Kleidung in der Hand warf ich nur einen widerwilligen Blick über sein Angebot, nahm aber dann doch nicht mehr als er mir sowieso schon angedreht hatte.
Mit einigen knappen Worten verschwand ich aus der Kabine, beeilte mich dann aber in meine zu kommen. Sicherlich wollte Vrael nun schnell weiter und ja niemanden warten lassen, da musste ich mich doch beeilen. Umgezogen hatte ich mich schnell, kämmte danach nur noch kurz durch meine Haare und warf eiligst einige Sachen in meinen Beutel. Nur wenige Minuten später trat ich erwartungsvoll an Deck.
Allerdings hatte ich mich in Vrael gründlich verschätzt. Anstatt kurz nach mir ans Deck zu eilen lies der Elb sich Zeit - viel Zeit. Die ersten Minuten stand ich noch etwas verloren auf Deck, doch wurde mir dies schnell zu langweilig.
Mich auf die Reling setzend, Beutel halb über die Schulter geschlungen, sah ich sehnsuchtsvoll hinaus aufs Meer. Und so wartete ich dann,.... und wartete...
Eigentlich hatte ich ja gehofft, nach diesem Teil der Reise nicht mit zu müssen - im Gegensatz zu meinem Mann war so was doch einfach nichts für mich. Natürlich war ich neugierig und interessierte mich für die Lebensweise anderer Völker, aber als Botschafter - und sei es nur als Teil einer Truppe - fühlte ich mich nun doch nicht wohl. Sehnsuchtsvoll in die Ferne starrend malte ich mir aus, was meine Familie gerade wohl machte. (Jedoch hätte ich kaum weiter weg von der Wirklichkeit sein können. Nie wäre ich darauf gekommen, dass die Jüngsten den Elfen Lifaen in Beschlag halten würden, dass mein Mann einen unserer Freunde schier den letzten Tropfen Blut rette, dass einige unserer Kinder noch ihren Rausch ausschliefen - wie beispielsweise Miguel - und andere doch lieber Runde und Runde in unserem wunderbaren Pool drehten. Gut, letzteres malte ich mir aus, aber beim Rest wäre ich wirklich nie darauf gekommen. )
Stunde um Stunde wartete ich darauf, dass Vrael endlich erschien. Eigentlich hätte ich dies ja gewöhnt sein müssen - wenn mein Mann sich >Mal eben< umzog, konnte dies auch eine ganze Weile in Anspruch nehmen. Aber er lies mich nie warten... oder wenn durfte ich wenigstens beim umziehen zusehen, wodurch die Zeit mir eh wieder viel zu schnell verging.
Bis der Elb endlich auftauchte rätselte ich schon, ob ich nicht in der zwischen Zeit nach Hause sollte. Gebeamt war man schnell und bis Vrael endlich fertig war.... noch ehe ich diesen Gedanken richtig gefasst hatte, tauchte der dunkelhäutige Elb endlich auf. Mich über die Reling schwingend konnte ich einen Seitenblick in Vraels Richtung sowie einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken. ,Länger ging es nicht?‘ wunderte ich mich. In der Zeit hätte ich... nun ich hätte es vermutlich ein Mal halb zurück nach Amerika geschafft. Letzteren Gedanken verbannte ich lieber fürs erste, dieser war einfach zu verlockend.
Zu Vraels Frage nickte ich nur leicht- wie sollte ich darauf antworten? Natürlich war mir die Zeit zu lang geworden. So sehr ich das Meer auch liebte und die Gespräche mit Vrael genoss, so konnte mir dies einfach nicht meine Familie ersetzen. Schweigend den anderen folgend musterte ich dann das mir zugeteilte Pferd etwas skeptisch, konnte mich aber nicht beklagen. Entweder die Elben trauten den Meermenschen - zu Recht - nicht viel Pferdeerfahrung zu, oder ich hatte einfach nur Glück, auf jeden Fall war ich aber mit einem ruhigen Fortbewegungsmittel gesegnet, welches es nicht eilig hatte von den anderen wegzukommen und somit genau meinem Wunsch entsprach...
"Das Schiff ist aus Holz und Holz schwimmt" erklärte ich nun etwas knapper, versuchte dabei doch mit einigen Schwierigkeiten das Ruder festzuhalten, ohne dabei dafür zu sorgen dass uns etwas zerbrach. "Nur ans Ufer gehen wir bestimmt bei dem Wetter nicht" antwortete ich bei seiner nächsten Aussage, musste dabei aber fast über den Sturm hinweg brüllen - geistig wäre als alternative viel leichter gewesen, aber daran dachte ich halt nun wirklich nicht....
Es dauerte nicht lang, bis der Sturm abgezogen war. Jedoch fühlte es sich an wie mehrere Stunden, statt Minuten. Sobald das Meer nur noch leicht schaukelte konnten wir uns endlich daran machen eventuelle Schäden am Schiff zu überprüfen, für diesen Zeitraum lies ich auch einen der Matrosen ans Steuer.
„Doch, du hast das Schiff nicht zerdeppert bevor ich ans Steuer durfte“ scherzte ich grinsend. Barfuß tapste ich langsam von Vrael weg, wollte jetzt lieber auch noch eine Hand mit anlegen.
Bei so einem Wetter wäre ich ja am Liebsten vor Anker gegangen, dies war aber Mitten auf dem Meer nicht möglich, also mussten wir da eben durch. (Nicht dass mich dies allzu sehr störte. ) Immer noch breit grinsend am Ruder stehend genoss ich die nächsten Minuten - für meinen Geschmack war die peitschende, rasante Fahrt viel zu schnell vorüber...
Überhaupt waren wir viel zu schnell voran gekommen. Klar, ich vermisste meine Familie. Doch obwohl mein Mann sich so Mühe mit der VIlla gegeben hatte, mit den ganzen Aussichtsmöglichkeiten auf das Meer, dem Badebereiche und überhaupt der Gestaltung, so vermisste ich doch zu Hause stets die wilde Seite des Meeres, welche man nur auf See so richtig bemerkten konnte.
Noch bevor die Sonne den Horizont überschritt war ich bereits auf. Trotz der Kälte war ich seit dem zweiten Tag barfuß unterwegs - fühlte sich sonst einfach zu seltsam an. Fast jeder Tag begann bei mir gleich. Da ich die Wärme meines Mannes - und eventuell einiger meiner Kinder - im Bett vermisste schluf ich Nachts in meinen Klamotten sowie unter einen Deckenberg begraben. Daher zog ich mir morgens erst Mal frische Sachen an und wusch mich kurz. Danach wanderte ich auf Deck, schnappte mir unterwegs wenn nur etwas Obst.
Vom Ausguck aus betrachtete ich regelmäßig den Sonnenaufgang, verspeiste dort auch gemeinsam mit meinem Wegbegleiter unser fruchtiges Frühstück - Obst musste man schließlich genießen solang es dies gab. (Dass wir dieses Problem auf der Reise nicht haben würden vergaß ich regelmäßig )
Sobald das Frühstück vorbei war kletterte ich wieder auf Deck, war kurz darauf auch am Steuer zu finden. Hier warf ich mir jedoch wenigstens einen Mantel über - war aber trotzdem noch barfuß. Das Schaukeln der Wellen, welche sich an den Schiffswänden brachen, war so viel besser war zunehmen.
Stets mit einem leichten Grinsen auf den Lippen genoss ich die Fahrt. Bald schon war ich mit wenigstens einem Teil der Mannschaft mit Gesten soweit, dass wir uns verständigen konnte - das meiste war ja auch nicht schwer. Spätestens ein Grinsen reichte uns allen aus. So fiel es mir auch schon am dritten Tag nicht schwer einen der jüngeren Männer mit ans Ruder zu kriegen - immerhin wollte ich dort nicht die ganze Zeit verbringen, daher musste auch jemand anders dies können.
Mein Wegbegleiter gleitete derweil stets durch die Luftströme vor uns. Seine Neugierde war einfach zu groß als dass er es lange an Deck aushielt - daher war er spätestens Abends fix und fertig.
Nach Vraels anfänglichen Fahrkünsten versuchte ich den Elben wenigstens vom Ruder wegzubewegen, ohne ihm dabei das Gefühl zu geben dass er nicht willkommen war - außerdem war es ja sein Schiff und da wollte ich ihn nicht verärgern.
„Hab ich mich eigentlich Mal bei dir bedankt?“ erkundigte ich mich irgendwann bei Vrael, grinste dabei breit. Allerdings passte mein Gesichtsausdruck so überhaupt nicht zur Umgebung. Tief schwarze Wolken kündeten von nahenden Unwettern, eingekreist hatten uns diese schon längst. Das Schiff schaukelte wild hin und her. Unter die Gischt des sich aufpeitschenden Meeres mischten sich die ersten, harten Regentropfen. Während alle sich beeilten um das Schiff für das nahende Unwetter zu bereiten konnte ich nicht anders als dieses zu genießen. Natürlich war mir die Gefahr eines jeden Unwetters bewusst, doch dies machte eben den Reiz so einer Reise für mich aus. Außerdem war ich ein Meermensch, das Wasser war mein Element... wie konnten mich da die wogenden Wellen und der Regen stören?
Erst sah ich den Alben mit erstaunen an, schließlich mit Respekt. Leicht neigte ich den Kopf bei seinen Worten, lächelte auch etwas. "Dass ist eine richtig ehrenhafte Ansicht" räumte ich ihm ein. Als er dann aber fortfuhr lachte ich fast, unterdrückte dieses nur mühsam. 'Na, muss da jemand was kompensieren?' dachte ich amüsiert. Es wunderte mich doch immer wieder wieviele Leute so stark auf solch einfache Worte reagierten. Schließlich musste doch ein adoptiertes Kind nicht gleich heißen, dass etwas mit der Zeugungskraft des Vaters nicht stimmte.
"Ah... Baren hat aber auch noch nie erwähnt, dass er ein Kind austragen möchte" erinnerte ich Vrael. "Oder ist euer Kater interessiert?" hakte ich nach, brach dann aber lieber ab. "Andererseits, bevor du nicht selber willst ist diese Überlegung ja noch viel zu früh" Den Alben leicht anlächelnd trat ich etwas zurück. "Und insofern glaube ich auch, dass du erst Mal schlafen solltest... wie die meisten hier. Sonst kommen wir morgen früh nicht richtig vorran... nicht dass du früh aufstehen musst" informierte ich ihn - ging eh davon aus dass er ausschlafen würde und bei Sonnenaufgang, während wir anderen weiter fuhren, bestimmt nich im Land der Träume sein würde...
„Missverstasnden“ murmelte ich, wenn auch leicht grinsend. Meiner Meinung nach war mein Mann ganz anders - und meine Familie - doch wusste ich, dass Kai nie gestehen würde auch eine sanfte Seite zu haben. Daher versuchte ich auch nie jemanden zu überzeugen. Schon bei Alas hatte mir dass nie jemand geglaubt, aber da schmunzelten die meisten nur drüber. Bei meinem Mann würde man mich wahrscheinlich für verrückt erklären, würde ich laut seine zärtliche, liebevolle Seite verkünden.
Mich wieder dem Alben zuwendend hörte ich zwar zu, war aber sichtlich verwirrt. „Warum machst du dann weiter? Scheint doch nur nachteile zu haben“ stellte ich fest. „Was bringt es dir, dich so etwas... auszusetzen? Warum nicht ein äh... anderer Beruf?“ versuchte ich weiter zu fragen, wollte dass ja nur verstehen. (Andererseits verstand ich auch meinen Mann nicht immer, insofern war ich nicht zuversichtlich genug Antworten aus dem Alben zu kriegen. )
„Vor allem scheint es sonst ja Probleme mit deinen Nachkommen zu geben... gut, vielleicht weis irgendwer wie man ... etwas wie dass verstecken kann aber dies würde den Kindern bestimmt nicht gut tun“ beharrte ich weiter. „Wobei auch ein Kind von anderen viel Freude bereiten kann“ warf ich dann doch gleich noch ein - musste dabei einfach an Justin, Sofie und alle anderen „indirekten“ Kinder von mir denken. Diese liebte ich ja nicht weniger, nur weil sie nicht direkt mit mir verwandt waren.
Seinen Missmut über Beor verstand ich wiederum überhaupt nicht. Das Steuer einem der Matrosen überlassend, da wir nun langsam wirklich nicht weiter hier stehen mussten, zog ich den Alben ein Stück mit mir mit. So hatten wir vielleicht etwas Privatsphäre. „Sprich mit Beor“ riet ich ihm schließlich, rieb mir dabei die längst kalt gewordenen Hände- der Wind auf dem Meer war um diese Jahreszeit eben nicht warm. „Der Heiler würde sich sicherlich über Nachwuchs in der Familie freuen... unabhängig welcher Art die Kleinen sein mögen... und vielleicht weis er ja doch wie man manche Veranlagungen wegerklären kann“ versuchte ich es weiter.
Sobald ich mich etwas beruhigt hatte - was aufgrund des sanften Schaukelns nun wahrlich nicht schwer war, -warf ich immer Mal wieder einen amüsierten Blick in die Richtung des Elben. So richtig konnte ich ihn zwar nicht sehen, trotzdem fand ich - anfangs - seine Worte sichtlich lustig.
Natürlich hatte ich nicht wirklich erwartete, dass er etwas hiervon verstand. Aber wer wagte sich schon ohne Wissen hinaus auf die wilde See? Nun, scheinbar mindestens Vrael. Innerlich sand ich ein kurzes Dankes-Gebet nach oben, wäre ich nicht rechtzeitig angekommen hätte er es sicherlich geschafft irgendetwas hier schief laufen zu lassen. (Oder wäre gar auf hoher See auf einen Felsen gelaufen... so unwahrscheinlich dies auch war, so sehr traute ich es diesem speziellen Elben dann doch wieder zu. )
Bei seiner Frage nickte ich leicht, sah nun auch wieder nach vorne. „Stimmt schon,... früher hatte ich es da ja mal leichter. Andererseits hab ich heute auch Kollegen die mir helfen, mache da ja weis-gott nicht alles alleine. Das meiste läuft, inzwischen, von selbst. Für die finanzielle Seite lässt ein Bekannter sich regelmäßig Neues einfallen. Die Planung was wohin gebracht wird ist auch eher abhängig davon wer wie viel Platz bucht. Klar, die meisten Schiffe sind voll gebucht lang bevor wir los fahren, aber die endgültige Fahrtplanung verschiebe ich immer auf einige Wochen vor Abfahrt. Da kennt man die Preise fürs Benzin und hat in etwa die Wetterverhältnisse sowie den Ladeplan beziehungsweise wird dieser dann ausgearbeitet. Aber oft genug springt in letzter Sekunde jemand von dem gebuchten Platz ab, der Zoll meint uns aufhalten zu müssen oder die Witterungsbedingungen halten uns davon ab, den gewünschten Plan einzuhalten... andererseits ist dass ja eben das spannende... und ja, so wie du es nennst vielleicht auch anstrengende... aber es macht eben Spaß“ erklärte ich recht ausführlich. Während unserer Unterhaltung bemerkte ich nicht ein Mal das Flackern in der Ferne. Aufgrund der Zeitverschiebung hatte ich die Neujahrswünsche meiner Familie auch schon vor einer Weile entgegen genommen und erwidert. Dabei hatte ich mehrfach ignorier, dass ein Großteil meiner Familie scheinbar angeheitert den Abend verbrachte. Da ich nicht dabei sein konnte verlies ich mich darauf, dass mein Mann auf unsere Kinder aufpasste.
Der langsam auffrischende Wind, welcher mir spielerisch an den Haaren spielte, lenkte mich kurzzeitig ab so dass ich Vraels Annäherung nicht ein Mal bemerkte. Aufgrund der Dunkelheit wäre mir sein seltsames Lächeln eh nicht aufgefallen, höchsten vielleicht seine Bewegungen. Als seine Worte direkt neben mir aus der Stille tönten zuckte ich leicht zusammen. Ohne den aufkommenden Wind hätte man bestimmt einen Ruck durch das Schiff gehen spüren, so aber ging dies im Klatschen der Wellen, Knarzen der Planken und Schaukeln des Schiffes gänzlich unter. Allerdings reichte dies für mich aus um nicht mehr weiter fahren zu wollen.
Vraels nächste Worte registrierte ich, abgelenkt, daher auch nur am Rande. Bis er anfing von seiner Frau zu erzählen. Erstaunt warf ich mehrfach Blicke in seine Richtung. Ihn konnte ich mir nun wirklich nicht mit einer Frau vorstellen. Schmunzelnd zuckten meine Mundwinkel nach oben, wenn auch nicht für lange.
Bei seiner Erzählung über seine Frau verschwand mein Schmunzeln schnell, zusammen mit jeglichen anderen Regungen. Fast schon mechanisch nickte ich auf seine Frage hin, natürlich interessierte es mich warum er dies ausgerechnet mir erzählte. Immerhin gehörte ich nicht ein Mal direkt zur Familie, geschweige denn indirekt. Als mehr als ein guter Bekannter der Familie sah ich mich nun wirklich nicht.
Seinen weiteren Worten lauschend atmete ich schließlich tief aus. ,Wie antwortet man auf so was?‘ wunderte ich mich. „Mein Mann mag skrupellos scheinen, aber nur für all jene die ihn nicht näher kann“ korrigierte ich den Alben gleich, fand dass schon schier beleidigend. „Wobei du dies bestimmt nicht so gemeint hast“ räumte ich schließlich ein. Mich dem Alben zuwendend musterte ich ihn ernst. Nur weil jemand, endlich, die Voraussicht besaß eine Lampe anzumachen, konnte ich immer wieder einen Blick auf sein Gesicht heischen. „Meine Kinder stehen zu sich“ fing ich an, wusste nicht wie ich sonst antworten konnte. „Oder eher zu ihren Liebsten. Dail mag einst schwarze Magie benutzten haben -weis ich nicht - aber vor allem interessiert es mich nicht da er daraus gelernt hat. Er und Timo sind zwar Geschwister, aber nicht blutlich verwandt.... was spricht also da dagegen?“ zählte ich weiter auf. Ohne lange Pause redete ich weiter, wollte darauf gar keine Antwort. „Beors Sohn mag eine Vorgeschichte gehabt haben, aber er hatte sie eben.“ Kurz atmete ich tief durch, denn bis jetzt hatte ich mir zwar Zeit mit den Worten gelassen aber fand dabei kaum Zeit zum atmen. „Aber alle können nichts dafür was passiert. Bei meinem Mann war es eben sein Umfeld dass ihn in eine Rolle zwang“ erklärte ich weiter. ,Auch wenn er diese manchmal richtiggehend genießt‘ räumte ich mir selber ein, aber nur in Gedanken. Den Alben ernst ansehend fuhr ich fort: „Das selbe bei Dail oder Beors Sohn... und auch bei dir“ Kurz lies ich diese Worte zwischen uns stehen, war mir nicht sicher wie viel er noch hören wollte... andererseits wollte ich dies auch los werden. „Du magst aufgrund der Umstände einst Rache gefühlt haben, aber du könntest wohl kaum irgendeinem Zwerg gegenüber stehen, wenn du dies nicht in irgendeiner Form überwunden hättest. Du magst einst versucht haben jemanden umzubringen, aber dies war aus Sorge um deine ermordete Familie geschehen, nicht aus Eigennutz oder Stolz heraus. Du magst eine ganze Weile Liebschaften gepflegt haben aber selbst dies tust du ja eindeutig nicht mehr“ zählte ich auf, grinste dann leicht. „Also steh dazu wer du jetzt bist. Wer als Elf einen Zwerg lieben kann, wie es Beor tat, kann kaum ausgerechnet mit dir Probleme“ setzte ich überzeugt hinzu, legte dabei kurz eine Hand auf seine Schulter. Längst war ich mir unsicher ob Vrael mich verstand, ob meine Worte gut gewählt waren oder nicht, doch konnte ich diese nun nicht mehr zurück nehmen - und wollte dies auch nicht. Meine Worte waren mir ernst gemeint gewesen.
Dies war auch deutlich zu merken, da mein portugiesischer Akzent längst deutlich wieder hervor getreten war...
Während der Wind mir durch die Haare fuhr konnte ich gar nicht anders als zu grinsen, tat einfach viel zu gut wieder hier Mal meiner ersten Liebe zu begegnen - dem Meer.
Vrael störte zwar dabei etwas, andererseits verdankte ich dem Elben die Chance und sollte daher höflich bleiben. „War das eine auf einer Grundlage basierende Schätzung oder eine die deiner Fähigkeit entspricht die Richtung auf dem Meer zu bestimmen?“ erkundigte ich mich amüsiert, konnte es nicht ganz lassen ihn etwas zu necken.
Als er mich erneut nach den Kleinen fragte, wenn auch nun nur mit leicht anderer Wortwahl, stutze ich dann doch. ,Wie süß, er vermisst seinen Freund‘ schloss ich daraus, wurde daher gleich schon offener.
„Mein Beruf ist nicht aufwendig“ korrigierte ich den Dunkelelben geduldig. „Und der meines Mannes ist es noch nicht - insofern ist es gerade noch richtig angenehm. „Die kleinen Schätze sind zwar sehr...nun anstrengend trifft es wohl wirklich, aber dafür geben sie so viel zurück“ seufzte ich gleich weiter, lächelte dabei fast schon selig. „Ist nur schade dass sie so schnell immer aufwachsen... gerade erst hälst‘ du sie zum ersten mal ∞im Arm, kaum mehr als ein kleines Würmchen, und ehe du dich versiehst gehen sie zur Schule, wollen ihre Freunde besuchen und du siehst sie kaum... aber wenigstens kannst du daran sehen wie gut du deine Kinder auf das Leben vorbereitet hast... nichts kann einen stolzer machen als zu sehen wie die eigenen Kinder glücklich älter werden, ihren eigenen Weg gehen und trotzdem noch bei dir sind“
Kurz lächelte ich den Elben direkt an. „Natürlich können sie anstrengend sein, aber es lohnt sich definitiv dieses Abenteuer mit zu machen“ informierte ich ihn.
Zufrieden klappte ich den Kompass auf, musste den Kurs auch nur leicht anpassen. "Oh gut... ganz gut" stellte ich fest, wenn auch leicht abgelenkt da ich mir erst Mal überlegen musste wer am besten hierfür geeinigt war. Jo wollte sicherlich nicht von seiner Familie weg und Bryan hatte keine Ahnung von all dem hier, somit fiel meine Familie aus. Allerdings fielen mir spontan mehrere meiner Leute ein welche bestimmt ganz hilfreich sein würden. "Danke für die nachfrage" redete ich schließlich weiter. "Äh wieviele Leute sind genau hier?" erkundigte ich mich, fragte mich ja ob nur eine weitere Person hier reichte. (Vrael und seinen Wachhund rechnete ich natürlich nicht, die zwei waren eher im Weg stehende Pasagiere. )
Bei Vraels Aussage musste ich einfach grinsen - dass könnte ihm so oder so passieren.
"NUn, vielleicht kann ja einer deiner Leute aushelfen... oder wir lassen jemanden von meinen rüber beamen... die wissen alle wie man so ein Dame behandeln muss" schlug ich vor, als Vrael wiederkam. Dass sowohl meine Männer als auch ich kleinere Schiffe gewohnt waren lies ich Mal lieber unerwähnt.
'Ihm und seinem Kater?' wunderte ich mich bezüglich Baren, fragte aber lieber Mal nicht näher nach. "Solang sich sonst niemand fürs Steuer findet hab ich ja eh nicht zu viel Chancen zum schlafen" erinnerte ich Vrael. Bezüglich des Kompasses nickte ich leicht. "Damit ich wenigstens weis ob die grobe Richtung stimmt" erklärte ich. Natürlich konnte man anhand des Sonnenstandes abschätzen, aber ich wollte doch lieber überprüfen ob meine Vermutung stimmte. Schon gleich zu anfangs hatte ich unseren Kurz rigoros korrigiert, konnte ja erst Mal nur meinem Gefühl folgen.
"Baren kommt auch?" klärte ich erstaunt, schmunzelte dann leicht und winkte ab. "Ich brauch kein Zimmer für mich - solang genug Decken da sind schlaf ich, bis auf bei Sturm und Regen, auch freiwillig auf Decke" informierte ich Vrael. "Bräuchte nur Platz um Mal ein paar Karten zu begutachten... aber bevor die Sterne da sind hilft mir selbst der größte Platz nichts... hab nicht Mal meinen Kompass griffbereit"
"Na dann bist du hiermit als Papagei eingestellt- du darfst alles übersetzen und wiederholen was ich sage" erklärte ich Vrael, grinste ihn dabei breit an. Immer wieder einen Blick auf die Weite des Meeres und meinen Wegbegleiter werfend sah ich auch Vrael fragend von der Seite her an. "Hast du einen PLan wo oder wie wir jemanden finden sollen?" erkundigte ich mich, versuchte dabei abzuschätzen wie lang so eine Reise gehen würde. "Und wie sieht's mit Vorräten aus? Medizin? Heiler oder Arzt? Schlafkojen für alle?"
"Äh hallo erst Mal" warf ich ein, um etwas Zeit zu gewinnen. Wachsam beobachtete ich meinen Wegbegleiter. "DIr ist klar dass ich es gewohnt bin auf Portugiesisch auf einem Schiff zu äh... richtungsweisend vorne zu stehen?" hakte ich bei Vrael nach, warf ihm dabei nur einen kurzen Blick zu. "Und warum um gottes-willen warst du am Steuer? So ziemlich jeder Seemann sollte wenigstens kurzzeitig ans Steuer können und sollte wissen äh... moment, hast du gerade gesagt du weist nicht Mal wo wir hin müssen?" erkundigte ich mich nun, schüttelte dabei leicht den Kopf. "Und ich dachte dass wird hier stressig" murmelte ich halblaut, fing dabei aber breit an zu grinsen.
Vermutlich war es einfach die Nähe zu meinem Mann, welche mehr als nur ein Mal mich in gefährliche Situationen brachte, auf jedenfall blieb ich bei dem Ruf nicht Mal stehen. Zielstrebig auf Vrael zu laufend legte ich hastig meine Hände ans Steuer. "Den Teil hab ich gehört. Weist du überhaupt wo du hin willst? Wo hier Untiefen sind? Riffe?" hakte ich ungläubig nach, wenn wohl auch nicht allzu höflich. Fassungslos warf ich einen kurzen Blick auf Vrael, ehe ich mich hastig umsah. Da ich hier noch nie war musste ich mich vor allem auf meine Beobachtungen überlassen - und auf die meines Wegbegleiters. Dieser war innerhalb von Sekunden nach meiner Ankunft aufgeflogen um das Meer vor uns zu erkunden.
Vraels Worte waren es, die ich als erstes wahrnahm. Ungläubig starrte ich den Elfen an, unterdrückte dann mühsam ein Lachen. 'Oh Gott... meint er das ernst?' wunderte ich mich, stellte dabei allerdings hastig die Tasche zur Seite - so dass niemand drüber flog. Etwas eilig hielt ich auf Vrael und seinen Gesprächspartner zu. Dabei dachte ich nicht Mal daran mich anzumelden. (Nur bei Chris bedankte ich mich kurz. )
'Bitte lass hier keine Klippen sein' dachte ich unruhig, starrte dabei nur kurz an der Reling hinab ins Wasser.
Nach dem die Feiertage rum waren, konnte ich diesem Angebot kaum mehr widerstehen. Natürlich genoss ich es meine Familie Tag und Nacht um mich zu haben, doch da die Kinder - glücklicherweise - alle noch zu Hause wohnten hatte ich dies ja auch unter der Schulzeit... so hatte ich auch nichts gegen diese „kleine“ Abwechslung - erst Recht da mich diese von unserem Butler wegbrachte.
Wäre ich der einzige gewesen, der ihn nicht mochte, ich hätte mich wohl längst beruhigt... doch auch Alas konnte ihn sicht- und hörbar nicht ausstehen. Wann immer der junge Mann ihm näher als zwei Meter kam wand der Wolfsmensch sich abrupt um und verfolgte misstrauisch jede seiner Bewegungen. Kam er trotzdem näher zuckten stets die Lippen des Wolfsmenschen nach oben, als wollte er die Zähne blecken. Und wagte unser Butler es - aus Versehen oder Absicht - ihn gar zu berühren so fing Alas jedesmal lautstark an zu knurren. Wann immer sich dieses Schauspiel wiederholte wurde ich selber unruhiger, beobachtete danach unseren Butler noch mehr als zuvor und versuchte - teils wenig auffällig - meine Kinder abzulenken.
Andererseits fand ich Alas Verhalten richtig beruhigend. Da er so aufpasste wusste ich, dass ich für einige Tage gehen konnte.
Wieder ein Mal auf einem Schiff zu segeln konnte ich mir nicht nehmen lassen - auch wenn es jetzt etwas kälter war als ich es gewohnt war. Natürlich wäre es schöner gewesen mit einigen meiner Leute rauszufahren, doch würde auch diese Reise bestimmt schön werden.
Mit gepackten Sachen rief ich nach Kais Zwilling, wollte diese Reiseart wählen um mich aufs Schiff bringen zu lassen. War für alle am einfachsten.
Verabschiedet hatte ich mich bereits den ganzen Tag über von allen in der Familie - und die ganze Nacht von meinem Mann. Nach einem kurzem Nickerchen und einer eiligst gepackten Reisetasche war ich endlich startklar.
Dass die Tasche zigfach größer war als alle anderen die ich sonst mit aufs Wasser genommen hatte ignorierte ich. Zum einen sollte ich wohl einige gute Sachen dabei haben und zum anderen war ich eben wärmere Gegenden gewöhnt.
Nach einem letzten Blick durch Kai‘s und mein Schlafzimmer lies ich mich wegbeamen. Nur das Lächeln auf meinen Lippen verriet, wie sehr ich mich auf dieses neue Abenteuer - oder doch wenigstens diese Abwechslung - freute....
Sobald ich allein war fiel mir auch auf, dass ich vor der Tür stand. Nur kurz zögerte ich, war aber noch nicht bereit weiter zu suchen. Nach meiner Jacke greifend und in diese sowie meine Schuhe schlüpfend war ich daher bald auf den Weg nach draußen. Für einen Moment war ich überrascht, was für stürmisches Wetter mir entgegen Schlug. Ein starker Wind peitschte Regen vor sich her, doch störte mich das Wasser nun wirklich nicht. Davon stapfend hielt ich auf die Klippen zu, hoffte dort wenigstens etwas vertrautes wieder zu finden.
'Er hat es gut gemeint' dachte ich. Hände tief in den Taschen vergraben achtete ich kaum darauf wo ich lang lief, folgte einfach nur dem Rauschen des Meeres bis dieses endlich tief unter mir auftauchte. Stehen bleibend beobachtete ich fasziniert das spektakuläre Schauspiel der Wellen, allerdings hielt es mich doch nicht lang hier. Da ich eh nicht wusste wo ich hin musste machte ich mich gar nicht erst auf den Rückweg sondern lies mich statt dessen von Kais Zwilling zu meinem Mann beamen. Tropfend tauchte ich so vor Kai auf, sah dann auch gleich schuldbewusst drein. 'Erster Tag und ich bring gleich Schlamm und Wasser mit ins Schlafzimmer... wird Kai nicht gefallen' dachte ich. Sobald ich aber meinen Mann sah war meine Sorge eh vergessen. Sofort lächelte ich wieder breit, bedankte mich abgelengt auch nur am Rande von seinem Bruder während ich meinen Mann anstarrte...
Leicht iritiert pendelte mein Blick zwischen seiner Hand und Sebastians Gesicht hin und her, ehe ich aus dem Zimmer stapfte. "Gut und nicht nötig" entgegnete ich recht knapp zu seinen Aussagen, merkte allerdings etwas verspätete dass man so wohl nicht verstand was ich meinte. "Ich werd mich ja grad noch im Haus meines Mannes zurecht finden" setzte ich stur hinzu - den Weg würde ich mir von ihm nicht zeigen lassen. Andererseits lehnte ich das Schreiben erst MAl nicht ab, ich wollte ja eigentlich schon mehr über den Fremden erfahren. "Wobei es Palast eher trifft" murmelte ich leise vor mich hin, warf dabei kurze Blicke nach rechts und links. Auf Gut-Glück stapfte ich dann erst Mal los, wenn auch gleich Mal in die falsche Richtung... "Guten Abend" warf ich nebenbei über die Schulter unserem neuestem Angestellten zu.
Leicht iritiert blinzelte ich nach dieser Erklärung einmal... und noch Mal. "Ah... ja" war schließlich das einzige was mir dazu einfiel. 'Wie reagiert man denn auf so eine Aussage?' wunderte ich mich. 'Klar, wir haben viele seltsame Geschichten... wobei er da doch einige übertrifft' wunderte ich mich weiter. Leicht den Kopf schüttelnd sah ich unseren neusten Mitbewohner direkt an. "Wenn ich mich richtig erinnere" fing ich zögernd an. "Hatte mein Mann Ihnen ja den Abend frei gegeben" erinnerte ich ihn, fühlte mich aber sichtlich nicht allzu wohl. Dabei war es nicht ein Mal die Erklärung, welche mich besorgte, sondern einfach die Art des jungen Mannes und vor allem seine neue Anstellung bei uns. 'Wie geht man mit einem Butler um?' rätselte ich in Gedanken weiter, wanderte dann aber zur Tür und hielt diese für Sebastian auf. "Sie wissen vermutlich wo Ihr Rau... wo Sie hier untergebracht sind?" hakte ich nach. 'Falls ja weis er mehr als ich... ich weis grad Mal wo der Ausgang ist' dachte ich wenig begeistert.